Hüttenzauber in der Wutachklause
Die Wutachklause ist eine kleine Berghütte am oberen Eingang zur Wutachschlucht. Hier gönne ich mir jedes Mal, bevor ich aufs Neue meine lebensgefährlichen Klettertouren in der Schlucht starte, einen schönen Hüttenzauber. Das gehört einfach mit dazu und hat mir bis jetzt auch immer Glück gebracht.
Man kann die abgeschiedene Wutachklause nur zu Fuß in einem einstündigen Marsch erreichen, deshalb ist sie nie vollständig belegt, und selbst wenn – für mich ist dort immer ein Zimmer frei. Das Besitzerehepaar bewohnt ein Zimmer im Erdgeschoss und kümmert sich um die Verpflegung der Gäste und die Reinigung der Zimmer. Natürlich versuchen die beiden auch die persönlichen Wünsche der Gäste hier oben so weit wie möglich zu erfüllen. So wünschte ich mir nach einer anstrengenden Klettertour im letzten Sommer zur Verdunkelung ein Rollo für die Fenster, weil ausgerechnet die Läden von meinem Fenster gerade gestrichen wurden und ich sonst tagsüber nicht schlafen konnte. Das war für Gustl, den Wirt, überhaupt kein Problem. Er hatte noch einige Stoffreste übrig, nachdem er letzten Sommer für seine Terrasse ganz bunte Markisen gespannt hatte. Mit einem dunkelblauen Markisenstoff verhängte er das Fenster in meinem Zimmer, und so konnte ich endlich einschlafen.
Zu einem richtigen Hüttenzauber gehört natürlich noch etwas mehr als pure Gemütlichkeit. Für mich ist besonders die richtige Gesellschaft wichtig, also vor allem: meine Freunde und Kletterkollegen. Vor jeder Klettertour haben wir schon ein bestimmtes Ritual: Wir heizen den Kamin ein, und wenn die Glut dann so richtig schön leuchtet, schieben wir in Folie gewickelte Kartoffeln dazwischen. Dazu gibt es frischen Kräuterquark und ein paar Scheiben frisch geräucherten Schinken – alles aus eigener Produktion! Das gibt uns genügend Kraft für jede noch so anstrengende Tour.